Die im Jahr 1587 in
Frankfurt am Main gedruckte Historia
von D. Johann Fausten integriert zum ersten Mal zahlreiche
verstreute, oft mündlich tradierten Erzählungen um den „weitbeschreyten
Zauberer vnnd Schwartzkuͤnstler” Faustus zu einem zusammenhängenden Erzähltext
in Form einer Lebensgeschichte. Farbenfroh und vielgestaltig erzählt die Historia von Faustus‘
Vergehen: wie er den Teufel beschwört und mit dem Geist Mephostophiles
Wissensfragen diskutiert; wie er mit eigenen Augen die Welt erfahren will und
dazu in die Hölle hinab, in den Himmel hinauf sowie kreuz und quer auf der Welt
herum fährt; wie er allerhand berühmten und weniger berühmten Figuren Streiche
spielt; schließlich, wie er an Gott verzweifelt und vom Teufel getötet wird.
Da die Historia an zahlreiche
Wissensbereiche ihrer Entstehungszeit anknüpft, ist es für das Verständnis des
Textes nötig, ihn im Zusammenhang zeitgenössischer Diskurse und historischer
Prozesse (wie Reformation und Hexenverfolgungen) zu betrachten. Darüber hinaus
greift die Historia
Wissens- und Erzähltraditionen des Mittelalters auf, wie etwa Teufelspaktlegenden
oder Erzählungen von Jenseitsreisen und Himmelsflügen. Solchen
mittelalterlichen Bezügen des Faustbuchs soll im Seminar besondere
Aufmerksamkeit geschenkt werden, auch Aspekte von Transkulturalität werden
dabei eine Rolle spielen. Ziel ist es, durch den Vergleich von vorgängigen
Erzähltexten mit einzelnen Episoden des Faustbuchs am Text selbst literar- und
wissenshistorische Entwicklungen erkennbar werden zu lassen. Es soll also
weniger die Nachwirkung der Historia
(z. B. im Drama bei Marlowe oder Goethe), als vielmehr ihre
‚Vorgeschichte‘ in den Blick genommen werden.
- Auf die gemeinsame Lektüre und Erarbeitung
des Textes folgt
- die Kontextualisierung mit Diskursen ihrer Entstehungszeit,
vor allem in Bezug auf Fragen von Dämonologie, Melancholie und Kosmologie;
- im dritten Schritt ziehen wir dann (kurze!) mittelalterliche Erzähltexte zum
Vergleich hinzu.
- Dozent/in: Falk Quenstedt