Das Friedrich-Jahr 2024 ist überall unübersehbar. Dabei war die
Erforschung des Greifswalder Künstlers und seines Werkes durch die
Kunstgeschichte lange Zeit alles andere als selbstverständlich. Denn auf
Friedrich trifft tatsächlich das sonst oft nur als
Künstler-Mythos verbreitete Narrativ zu, dass er nach seinem Tod 1840
erst einmal lange Zeit "vergessen" schien. Die Vorlesung versucht
einerseits das Werk des Künstlers vorzustellen und wesentliche
Forschungsfragen wie seine Religiosität und seine politische Einstellung
zu erörtern, sich andererseits aber auch der Frage zu widmen, ob eine
Untersuchung des Werks auch ohne den Lebenszusammenhang möglich ist. Die
Vorlesung versucht aber auch, wesentlichen Konjunkturen Friedrichs
außerhalb der akademischen Kunstgeschichte nachzuspüren. Wie etwa konnte
1905/6 bei der sog. "Jahrhundertausstellung" in Berlin der Künstler
eine völlig neue Aufmerksamkeit bei Museumsdirektoren und Sammlern
erfahren? Ebenso wichtig scheint es aber auch zu sein, den Mißbrauch des
Künstlers als "nordischen Künstler" während der Zeit des
Nationalsozialsimus nachzugehen. Nicht zuletzt ist auch die Zeit nach
1945 wichtig, als es ab den 1970er Jahren durchaus konkurrierende
Zugriffe auf Friedrich in Ost und West gab, nachdem es allerdings lange
Zeit kaum eine kunsthistorisch relevante Forschung zu ihm gab. Ebenso
werden in der Vorlesung aber auch Fragen der Objektbiographie und der
Restaurierungsgeschichte der Werke Friedrichs eine Rolle spielen, etwas,
das als Forschungsfrage lange Zeit eher am Rande der kunsthistorischen
Forschung stand. Nicht zuletzt soll gefragt werden, wie es zu der großen
Popularität Friedrichs in der Gegenwart kommen konnte, der heute neben
Dürer als wichtigster deutscher Künstler gilt. |
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- Dozent/in: Kilian Heck