Kommunikationsfreiheit gehört zu den Grundprinzipien demokratischer Gesellschaften, ihre Realisierung wurde und wird aber von vielen Seiten behindert: Waren es traditionell Kirche, Staat, Staatsparteien und Militär, so muss man heute auch Wirtschaftsunternehmen (etwa Online-Plattformbetreiber), andere User, terroristische Organisationen und in Reaktion hierauf die geheimdienstlichen „Verteidiger der Freiheit“ zu den Feinden der Kommunikationsfreiheit rechnen.
Mitunter wird auch behauptet, die Kultur der ‚Wokeness‘ führe zum ‚Canceln‘ bestimmter Meinungen und Themen, die ‚schweigende Mehrheit‘ werde durch ein verschwörerisches Zusammenspiel vom Staat und Medien zum Schweigen gebracht. Gleichzeitig findet ein Strukturwandel der Medien statt, der vor allem durch ökonomisch bedingte Konzentrationsprozesse Freiheit und Vielfalt öffentlicher Kommunikation einschränkt. Auch international wird die Freiheit der Medienberichterstattung und der Kommunikation massiv bedroht, durch autoritäre Regime, das Militär und terroristische Gruppierungen. Die Zahl der verfolgten, gefolterten und gezielt ermordeten Journalistinnen und Journalisten wächst. Im Verhältnis zwischen der EU und dem Trump-Regime in den USA ist Kommunikationsfreiheit zu einem Kampfbegriff geworden.
Im Seminar sollen nicht nur die lange Geschichte bis zur formalen Durchsetzung der Kommunikationsfreiheit in Deutschland rekonstruiert werden, sondern auch der normative Gehalt von Kommunikationsfreiheit ergründet sowie die vielfältigen aktuellen Bedrohungen analysiert werden.

Vorab- und Pflichtlektüre:
Beck, Klaus (2021): Kommunikationsfreiheit. Wiesbaden: Springer VS; https://doi.org/10.1007/978-3-658-32478-0