Bereits im Frühmittelalter entstanden parallel zu den männlichen Ordensgemeinschaften religiöse Frauengemeinschaften in unterschiedlichen Organisationsformen. Neben streng klausurierten Klöstern entwickelten sich insbesondere Damenstifte als Zusammenschlüsse adliger, häufig eher selbstständig lebender Kanonissen. Aufgrund ihrer engen personellen Verbindungen zum Hochadel und eines oft hohen Bildungsniveaus wurden diese Institutionen zu religiösen, kulturellen und nicht zuletzt politischen Zentren.
Die Architektur und Ausstattung der Stifts- und Klosterkirchen spiegeln diese besonderen Bedingungen wider. Unterschiedliche Lebensformen und spirituelle Praktiken führten zu spezifischen räumlichen Lösungen wie Nonnenemporen sowie zu charakteristischen Objektgruppen und Bildformen, etwa Andachtsbildern und Stifterbildern im Zusammenhang mit der klösterlichen Memoria. Zugleich konnten Stifte und Frauenklöster selsbt Orte intensiver Bildproduktion sein: Neuere Forschungen haben einzelne Niederlassungen als Herstellungsorte aufwendig ausgestatteter Handschriften und kostbarer Textilien nachgewiesen. Im Seminar werden unterschiedliche Typen weiblicher Gemeinschaften vergleichend betrachtet – von städtischen Konventen der Bettelorden bis zu adligen Damenstiften und ländlichen Frauenklöstern –, um zu untersuchen, wie soziale Struktur, wirtschaftliche Ressourcen und spirituelle Praxis die Entstehung, Auswahl und Nutzung von Bildern beeinflussten.
Im Seminar wird die materielle Kultur von Frauenklöstern und Damenstiften untersucht: Architektur, liturgische Ausstattung, Handschriften, Textilien und Bildwerke werden im Hinblick auf ihre Funktion innerhalb weiblicher Gemeinschaften analysiert. Dabei steht insbesondere die Frage im Mittelpunkt, ob und in welcher Weise sich hier spezifische Formen der Bildproduktion und Bildnutzung herausbildeten – also eine Kunst, die von Frauen geschaffen, beauftragt oder in besonderer Weise für sie bestimmt war.
Das Seminar dient der Vorbereitung einer fünftägigen Exkursion in den Harz mit Stationen in Quedlinburg, Gernrode, Halberstadt und Goslar.
- Dozent/in: Jochen Vennebusch