Licht ist ein konstitutiver Bestandteil der Wirkung von Kunst und Architektur – und zugleich eines der flüchtigsten Gestaltungsmittel überhaupt. Vom schimmernden Goldgrund byzantinischer Mosaiken über die farbigen Fenster gotischer Kathedralen bis zu den Lichtinstallationen der Gegenwart prägt es, wie Werke erscheinen, wie Räume wahrgenommen werden und welche Bedeutungen ihnen zugeschrieben werden. Licht lässt sich dabei einerseits nahezu als Material begreifen, das Oberflächen formt, Räume strukturiert und Werke je nach Tages- und Jahreszeit immer wieder anders zur Erscheinung bringt. Andererseits fungiert es als Medium, das insbesondere in religiösen Kontexten Vorstellungen von Transzendenz, Präsenz und Erkenntnis vermittelt.

Das Seminar untersucht diese Funktionen des Lichts anhand ausgewählter Beispiele vom frühen Mittelalter bis in die Gegenwart. Behandelt werden die Goldschrift in der frühmittelalterlichen Buchmalerei, die gotische Architektur im Zusammenspiel mit ihren Glasfenstern und den dort entfalteten Bildprogrammen, monumentale Leuchter als Teil sakraler Innenausstattungen sowie Positionen der Moderne und Gegenwart, etwa Arbeiten von Dan Flavin, Raumkonzepte James Turrells und die Land Art Walter De Marias. Auch die 2024 eingeweihten Glasfenster von Olafur Eliasson im Dom St. Nikolai in Greifswald werden einbezogen. Dabei geht es nicht vorrangig um die Darstellung von Licht, sondern um die Wahrnehmung von und durch Licht: Wie erzeugt Licht Atmosphäre? Wie lenkt es den Blick? Wie vermittelt es Bedeutung? Wie verändern sich Wirkungen unter verschiedenen Lichtverhältnissen? Weshalb wird das Licht in bestimmten Epochen zum Träger theologischer, philosophischer oder symbolischer Vorstellungen? Aspekte der Architektur, der Ikonographie und der Materialsemantik werden dabei ebenso berücksichtigt wie historische Lichttheorien und ihre jeweiligen kulturellen Kontexte.