Auf den antiken Ruinen entstand seit dem frühen 4. Jahrhundert, vielfach unter Nutzung vorhandener Bausubstanz, das christliche Rom der Spätantike. Eine besondere Bedeutung erhielt die Stadt durch die Gräber der Apostel Petrus und Paulus sowie zahlreicher frühchristlicher Märtyrer, die bereits kurz nach ihrem Tod als Heilige verehrt wurden. Nachdem das Christentum zunächst toleriert und schließlich zur Staatsreligion erhoben worden war, ließen die Kaiser, beginnend mit Konstantin, diese Grabstätten architektonisch hervorheben und dort große Kultanlagen errichten. So entstanden Memorialbauten und Pilgerkirchen, die der liturgischen Verehrung und der Präsenz der Heiligen im Stadtraum dienten.

Im Verlauf des Mittelalters verdichtete sich dieses Netz sakraler Orte weiter. Kirchen wurden über Gräbern und Katakomben errichtet, Reliquien übertragen, Altäre durch Confessiones hervorgehoben und die Räume mit Mosaiken, Marmorausstattungen und liturgischem Mobiliar ausgestattet, häufig unter Verwendung antiker Spolien. Ikonen und Kultbilder banden einzelne Kirchen in übergreifende religiöse Praktiken ein. Auf diese Weise entstand eine vielschichtige Erinnerungslandschaft, in der Antike, Spätantike und Mittelalter bewusst miteinander verknüpft wurden.

Das Seminar widmet sich der spätantiken und mittelalterlichen Kunst und Architektur Roms und fragt danach, wie die Stadt durch Architektur, Bilder, Rituale und Schrift als Zentrum der christlichen Welt hergestellt wurde. Behandelt werden die konstantinischen Gründungen (Petersbasilika und Lateran), Katakomben- und Märtyrerheiligtümer, frühchristliche und frühmittelalterliche Mosaikausstattungen (u. a. Santa Maria Maggiore, Santa Pudenziana und Santa Prassede), mittelalterliche Kirchenausstattungen mit Cosmati-Fußböden und Kultbildern, hochmittelalterliche Neubauten sowie die Umnutzung antiker Gebäude zu Kirchen. Einbezogen werden außerdem mittelalterliche Pilgerführer und Itinerare, die die heiligen Orte Roms ordnen, deuten und auch aus der Ferne vergegenwärtigen und so maßgeblich zur Imagination der Stadt beitrugen. Auch die politische Dimension der Bildprogramme wird thematisiert, etwa anhand der Ausmalung der Silvesterkapelle in Santi Quattro Coronati.

Lateinkenntnisse sind nicht erforderlich; geeignete Übersetzungen der Quellen werden zur Verfügung gestellt.