Vor dem Hintergrund weiterhin großer Vermögensungleichheit ist die Verteilung von Eigentum ein häufiges Thema öffentlicher Debatten. Fragen, die die Institution des (Privat-)Eigentums selbst betreffen, bleiben dabei meist im Hintergrund, obwohl sie in Fachdebatten mehr oder weniger kontrovers diskutiert werden: Was sind überhaupt Eigentumsrechte – handelt es sich (nur) um juridische oder (auch) um moralische Rechte? Was genau ist ihre normative Grundlage? Welche Struktur haben sie? Wie weit reichen Eigentumsrechte und was ist ihr relatives Gewicht in der Konkurrenz mit anderen Rechten? Inwieweit sind sie kulturrelativ, spezifisch westlichen Charakters, gewaltbasiert oder von kolonialen oder anderen Herrschaftsverhältnissen gefärbt? Welche Varianten von Eigentumsrechten gibt es und welche erscheinen denkbar, legitim oder wünschenswert? Anhand von klassischen und modernen Beiträgen aus der Sozial-, Wirtschafts- und Rechtsphilosophie werden wir solchen Fragen gemeinsam nachgehen. Ziel ist es dabei, ein tieferes Verständnis prägender Traditionen und aktueller ideologischer Auseinandersetzungen zu gewinnen und ein reflektiertes Verständnis einer normativen Institution zu entwickeln, von der unser individuelles Leben, die Form unseres politischen und wirtschaftlichen Zusammenlebens und die internationalen Beziehungen tiefgreifend bestimmt werden.