Roman Ingardens epochale Studie „Das literarische Kunstwerk“ von 1931 stellt bis heute die wohl umfassendste Ontologie der Literatur dar. In Anschluss an und Abgrenzung von der Phänomenologie Edmund Husserls entwirft Ingarden ein Konzept der Literatur, welches linguistische Phänomene mit Fragen der Rezeption verbindet, sodass er gleichsam eine Synthese von formalistischen, strukturalistischen und hermeneutischen Ansätzen schafft, die bis in die Rezeptionsästhetik hinein wirksam geblieben ist. Aufgrund der philosophischen Voraussetzungen und der verwendeten Terminologie ist die Lektüre von Ingardens Text allerdings alles andere als leicht. Das Seminar bietet deshalb die Möglichkeit, auf der Basis einer gemeinsamen Lektüre die Kernpunkte von Ingardens Theorie herauszuarbeiten und zu diskutieren.