Stand die polnische Dramatik im 19. Jahrhundert überwiegend im Dienste einer patriotischen Selbstvergewisserung, paradigmatisch etwa in Adam Mickiewiczs „Dziady“, emanzipiert sie sich im 20. Jahrhundert von dieser identitätsbildenden Funktion. Stattdessen werden auf der Basis ganz unterschiedlicher Poetiken verschiedene Dramenkonzeptionen entwickelt, die bisweilen auch dazu genutzt werden, sich kritisch mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Dieser Prozess soll anhand ausgewählter Stücke u.a. von Wyspiański,
Witkiewicz, Gombrowicz, Mrożek und Różewicz nachvollzogen werden. Das Seminar verfolgt damit zwei Ziele: Zum einen geht es darum, sich in die Analyse einer Grundgattung einzuüben, die im Laufe des Studiums häufig zu kurz kommt, zum anderen bietet sich auf diese Weise die Möglichkeit, kanonische Texte der polnischen Literatur des 20. Jahrhunderts im Bereich der Dramatik kennenzulernen.