Das Seminar setzt sich zum Ziel, grammatische Phänomene im Spannungsfeld zwischen Norm und Variation zu betrachten. Dazu ist es zunächst unerlässlich, Sprachnormtypen zu differenzieren und zu diskutieren. Letztlich wird zu fragen sein, ob Sprachnormen „aus dem tatsächlichen Sprachgebrauch rekonstruierte Regeln systemgerechten Gebrauchs“ (M. Hundt) darstellen. An ausgewählten Beispielen soll gezeigt werden, wie Sprachnormverletzungen als neue Muster in das Sprachsystem gelangen und welche Sprachwandelfaktoren auf dem Weg von der Normverletzung hin zu einer neuen Norm wirksam werden. In Bezug auf Beispiele wie Danone-Yoghurt, weil er ist gesund; da hab ich jetzt nichts von oder da wird sich furchtbar aufgeregt wird zu klären sein, inwiefern sie als normgerechte Konstruktion in den Sprachgebrauch implementiert sind. Derartigen Konstruktionen werden nach wie vor ungrammatische Sätze wie Hier werden Sie erholt. gegenübergestellt.
Das Seminar ist ein Leseseminar. Es wird die Bereitschaft zur Reflexion theoretischer Fragestellungen und zu Belegsammlungen des Sprachgebrauchs vorausgesetzt.
Literatur:
Mattheier, Klaus J. (Hg.) (1997): Norm und Variation. Frankfurt a. M. u.a.: Peter Lang.
Eichinger, Ludwig/Kallmeyer, Werner (Hg.) (2005): Standardvariation. Wie viel Variation verträgt die deutsche Sprache. Berlin/New York .
Hagemann, Jörg/Klein, Wolf Peter/Staffeldt, Sven (Hg.) (2013): Pragmatischer Standard. Tübingen.
- Dozent/in: Christina Gansel