Auf die Unterschiede von gesprochener und geschriebener Sprache hat als Erster der Sprachwissenschaftler Otto Behaghel (1899) verwiesen. Dass es mehr als 60 Jahre bis zur Entwicklung einer Linguistik der gesprochenen Sprache gedauert hat, hängt mit der Entwicklung technischer Möglichkeiten zur Aufzeichnung gesprochener Sprache und zum wiederholten Hören der Aufnahmen zusammen. Denn nur beim wiederholten Hören und auf der Grundlage von Transkriptionen können Merkmale gesprochener Sprache wahrgenommen, segmentiert und beschrieben werden.

Nichts in der mündlichen Kommunikation ist überflüssig oder verwirrend, ganz im Gegenteil – es hat kommunikative Funktion und unterliegt Konventionen (Erwartungs-Erwartungen).

Das Ziel der Vorlesung ist es von daher, die Spezifik mündlicher Kommunikation und gesprochener Sprache in Opposition zu schriftlicher Kommunikation und geschriebener Sprache zu erklären. Es wird zu zeigen sein, welche kommunikativen Praktiken sich unter den Bedingungen mündlicher Kommunikation entwickeln. Daraus werden Eigenschaften gesprochener Sprache auf allen sprachlichen Ebenen abgeleitet (Phonetik, Prosodie, syntaktische Konstruktionen, Lexik und Semantik, Formulierungsverfahren).

 

Literatur:

 

Fiehler, Reinhard/Barden, Birgit/Elstermann, Mechthild/Kraft, Barbara (2004): Eigenschaften gesprochener Sprache. Theoretische und empirische Untersuchungen zur Spezifik mündlicher Kommunikation. Tübingen: Niemeyer

Schwitalla, Johannes (32006, 42012): Gesprochenes Deutsch. Eine Einführung. Berlin: Erich Schmidt