
„Nichts in der Biologie macht Sinn, außer im Lichte der Evolution“, schrieb der Evolutionsbiologe Theodosius Dobzhansky 1973. An dieses Diktum anknüpfend geht die Soziobiologie von der Annahme aus, dass Darwins Theorie der natürlichen Selektion und ihre darauf folgende wissenschaftliche Ausarbeitung Erklärungsrelevanz nicht nur für tierische sondern auch für menschliche Angelegenheiten umfassender mit unabhängiger wissenschaftlicher Bestätigung verbindet als jede andere Theorie in der Wissenschaft (Rosenberg/McShea 2008). Soziobiologie versteht sich in diesem Zusammenhang als die Wissenschaft von der biologischen „Angepasstheit“ des tierischen und vor allem menschlichen Sozialverhaltens, einschließlich all seiner kulturellen Derivate. Durch ihr auf die Kausalfaktoren menschlicher Verhaltensorganisation gerichtetes Erkenntnisinteresse gewinnt die Soziobiologie einerseits eine historische bzw. sozialwissenschaftliche Dimension und andererseits offeriert sie eine konsequent naturalistische Perspektive auf die Conditio humana (Voland 2013). Das Seminar versteht sich explizit als wissenschaftskritische Einführung in Paradigma, Konzepte und Modelle der Soziobiologie und beleuchtet in diesem Zusammenhang verschiedene Themenfelder mit hoher über die akademische Reflexion hinausgehender gesellschaftlicher Relevanz, wie etwa: Kooperation und Konflikt in sozialen Gruppen, Geschlechterbeziehungen, Fortpflanzungsstrategien, Ethik und Religion, Kunst und Interpretation, Intelligenz, Selbstbewusstsein und Rationalität. Ferner soll der Zusammenhang zwischen dem medialen Boom der (Bio-)Wissenschaften - der Darstellung dieser, wie etwa auch der Soziobiologie, in den Medien - und dem internationalen wissenschaftlichen Diskurs untersucht werden.
Nähere Informationen zu den Textgrundlagen und der Struktur des Seminars werden in der ersten Sitzung bekannt gegeben und miteinander abgestimmt.
- Dozent/in: Dirk Schulte-Tickmann