Der wohl älteste Versuch einer Gliederung von Texten nach textexternen und textinternen Merkmalen ist die soziologisch begründete Aufteilung in Funktionalstile. Die Funktionalstilistik geht auf die Prager linguistische Schule der 1930er Jahre zurück und ist seit den 1950er Jahren in der sowjetischen und europäischen Stilistik weiterentwickelt worden. Das Konzept der Funktionalstile ist jedoch kein historisches Phänomen, sondern findet in Textlinguistik, Stilistik und Soziolinguistik in der Gegenwart Beachtung und erfährt theoretische Fundierung. „Stil auf bestimmte Funktionsbereiche zuzuschneiden ist der Versuch, die Verwendungsbedingungen der Sprache als bestimmende Instanz zu erfassen“, wie Werner Eroms (2008, 107) herausstellt. In der Funktionalstilistik wird der Stil von Texten nicht nur als freie Wahl von sprachlichen Möglichkeiten, sondern als eine Norm gefasst. Es wird davon ausgegangen, dass Texte in funktionalen Verwendungsbereichen je eigene, spezifische sprachliche Mittel ausprägen und präferieren und diese als angemessen konventionalisieren und wieder erwartbar machen. In dem Stil von Texten und Textsorten ist also der funktionale Bereich der Kommunikation erkennbar. Das Seminar wird zunächst in einem vorangestellten Komplex theoretische Aspekte der Funktionalstilistik reflektieren und Grundlagen für funktionalstilistische Textanalysen legen. Der Schwerpunkt des Seminars liegt sodann auf der Textarbeit, auf der Analyse funktionalstilistischer Merkmale von Texten und im Vergleich der sprachlichen Mittel in den Funktionalstilen unterschiedlicher Kommunikationsbereiche.

 

Literatur:

Eroms, Hans-Werner (2008): Stil und Stilistik. Eine Einführung. Berlin.

Gansel, Christina (2011): Textsortenlinguistik. Göttingen.