Klassizismus und Romantik spielen sich in der polnischen Literatur vor dem Hintergrund der drei Teilungen des Landes (1772, 1793 und 1795) ab, die zu einem Verlust der Eigenstaatlich-keit führten und als nationales Trauma wahrgenommen wurden. Infolgedessen fiel der Kultur im Allgemeinen und der Literatur im Besonderen die Aufgabe zu, die polskośćzu stärken und auf diese Weise zur Bewahrung einer polnischen Identität beizutragen. Im Seminar wird zunächst der (kultur-)geschichtliche Kontext jener Zeit rekonstruiert, vor dessen Hintergrund dann exemplarisch Texte aus dem Klassizismus und der Romantik unter dem Aspekt ihrer identitätsstiftenden Funktion untersucht werden. Dabei wird immer auch die Rivalität von ästhetischer und praktischer Funktion dieser Texte zu berücksichtigen sein, die die Entwicklung der polnischen Literatur zu dieser Zeit wesentlich prägt.
- Dozent/in: Andreas Ohme